
von Karl Gjellerup
Seit ich zuerst sie sah ist ein autobiografisch grundierter Roman, der die Erfahrung des ersten Blicks zur poetischen Urszene eines Lebensweges verdichtet. In der Rückschau entfaltet Gjellerup eine Geschichte von Liebe, Erinnerung und Selbstwerdung, deren innere Bewegung wichtiger ist als äußere Handlung. Sein Stil verbindet psychologische Genauigkeit mit lyrischer Empfindsamkeit; das Werk steht zwischen skandinavischem Realismus, deutschem Bildungsroman und jener symbolistischen Innerlichkeit, die um 1900 das Verhältnis von Kunst, Eros und Persönlichkeit neu bestimmte. Karl Gjellerup, 1857 in Dänemark geboren und 1917 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, war ein Grenzgänger zwischen nordischer Herkunft und deutscher Geisteskultur. Ausgebildet in Theologie, früh vom Naturalismus geprägt, wandte er sich später idealistischen, religiösen und ästhetischen Fragestellungen zu; auch seine Nähe zu Wagner, Schopenhauer und buddhistischem Denken schärfte seinen Sinn für metaphysische Sehnsucht. Diese geistige Biographie erklärt, weshalb persönliche Erinnerung bei ihm stets zur Prüfung von Weltanschauung wird. Empfohlen sei dieser Roman Lesern, die nicht bloß Handlung, sondern die feine Analyse einer Empfindung suchen. Wer Gjellerups Entwicklung verstehen will, findet hier einen Schlüsseltext: intim, reflektiert und von diskreter philosophischer Tiefe. Er zeigt, wie aus einer Begegnung Literatur wird-und aus Erinnerung Erkenntnis.
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Maße: 0.9 x15.2 x22.9 cm
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