
Sisyphus: Gegen den Mädchenhandel - Galizien ist eine eindringliche sozialkritische Schrift, in der Bertha Pappenheim die Strukturen des internationalen Mädchenhandels aus der Perspektive jüdischer Wohlfahrtspflege untersucht. Am Beispiel Galiziens beschreibt sie Armut, Migration, patriarchale Abhängigkeiten und behördliche Gleichgültigkeit als ein Geflecht, das junge Frauen verwundbar macht. Ihr Stil verbindet reportagehafte Beobachtung, moralische Anklage und präzise institutionelle Analyse; literarisch steht der Text im Kontext reformerischer Publizistik des frühen 20. Jahrhunderts. Pappenheim, 1859 in Wien geboren und später in Frankfurt am Main tätig, war Mitbegründerin des Jüdischen Frauenbundes, Übersetzerin, Pädagogin und eine der bedeutendsten Sozialreformerinnen ihrer Zeit. Ihre Erfahrungen in Mädchenheimen, auf Reisen nach Osteuropa und in internationalen Netzwerken gegen Zwangsprostitution gaben dem Buch seine Dringlichkeit. Auch ihre biographische Sensibilität für weibliche Abhängigkeit und Sprachlosigkeit prägt die kompromisslose Haltung des Textes. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die die Geschichte von Feminismus, jüdischer Sozialarbeit und Menschenhandel verstehen wollen. Es ist kein bloßes Zeitdokument, sondern eine bis heute herausfordernde Studie über Verantwortung, Prävention und die Mühsal gesellschaftlicher Reform.
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