
von Lois Lammerhuber, Cyril
2026 steht das Festival La Gacilly-Baden Photo unter dem Motto SO BRITISH! Eine gigantische Open-Air-Galerie auf 7 km Länge, mit rund 1.500 großformatigen Bildern in den Parks und Gärten und der Altstadt von Baden verwandelt die Stadt zum neunten Mal für vier Monate in eine Bilder-Stadt. Bei freiem Eintritt laden über 30 Ausstellungen, 7 Tage die Woche, von 0- 24 Uhr zum Verweilen ein. SO BRITISH! Großbritannien und Europa teilen eine tausendjährige Geschichte voller Missverständnisse und Feindseligkeiten, Bewunderung und Respekt. Das könnte an der Eigenart der Briten liegen, Dinge anders zu tun als alle anderen. Sie fahren nicht nur links, sie haben auch ihre eigene Währung, und 51,89 Prozent haben für den Brexit gestimmt. Sie spielen Darts, glauben an Geister und haben immer noch eine Monarchie. Und sie haben diesen Hauch von Exzentrik. Seit Oscar Wilde einen Hummer an der Leine am Ufer der Themse spazieren führte, wissen wir, dass in diesem Land der strengen Erziehung Extravaganz immer noch als Kunstform gepflegt wird. Viele britische Fotograf:innen teilen diesen Stil. Sie sind so british, weil sie es verstehen, den Geist ihrer Zeit mit einem großartigen Sinn für Klarheit einzufangen. Wenn Schelmerei das Vorrecht der Briten wäre, dann ist Martin Parr ihr fotografischer Herold. Seit über fünfzig Jahren wirft der unermüdliche Chronist der englischen Gesellschaft einen messerscharfen Blick auf seine Landsleute. Oder Tony Ray-Jones, dieser ironische Beobachter, der dem Humor seinen rechtmäßigen Platz einräumte, ohne jemals in unnötige Grausamkeit zu verfallen. Peter Dench hat sich dafür entschieden, die Widersprüche einer Gesellschaft, die als zutiefst traditionsverbunden gilt, genau unter die Lupe zu nehmen. Josh Edgoose streift durch die Straßen Londons auf der Suche nach dem Unerwarteten. „Swinging London” erinnert uns daran, dass ikonische Popmusik an den Ufern der Themse geboren wurde. Terry O’Neill war nicht nur Zeuge dieser berauschenden Revolution, er war der fotografische Vertraute der „Enfants terribles” Englands, von den Beatles über die Rolling Stones und David Bowie bis zu Elton John. Wussten Sie, dass das Vereinigte Königreich und Frankreich gemeinsam das Privileg haben, die Erfinder der Fotografie zu sein? Obwohl Nicéphore Niepce aus Chalon-sur-Saône als Erster ein Bild auf einer Metallplatte festhielt, war es eine englische Botanikerin, die diese Technik bereits 1843 als Erste weiterentwickelte. Anna Atkins war eine Pionierin auf dem Gebiet der Cyanotypie, mit der sie Herbarien von faszinierender Schönheit schuf. Gina Soden erkundet Herrenhäuser und alte Villen, die ihre Besitzer:innen zurückgelassen haben, stillgelegte Fabriken und verfallene Krankenhäuser, in denen die Natur sich ihr Recht zurückerobert hat. Cig Harvey experimentiert mit Farben, unseren Sinneserfahrungen und Körpern, die mit der Natur verschmelzen. Schließlich wirft Mary Turner einen zärtlichen Blick auf die marginalisierten Bevölkerungsgruppen des postindustriellen Englands. Christian Skrein erinnert uns an den Besuch der Beatles in Obertauern, die zum Videodreh von Help! angereist waren – und von der Bevölkerung mit Transparenten empfangen wurden: „Beatles go Home!“ Und der Badener Filmemacher Richard Ladkani setzt Jane Goodall ein fotografisches Denkmal aus der innigen Perspektive einer nun abrupt zerrissenen Lebensfreundschaft: „Just me, Jane!“ Mike Taylors Arbeit „The Beautiful Game“ zeigt uns Fußball aus der Perspektive von fiebernden Fans in britischen Pubs – ohne auch nur eine:n einzige:n Fußballspieler:in ins Bild zu setzen. Queen-Gitarrengott Sir Brian May ist nicht nur ein zur Ikone gewordener Rockmusiker, sondern vor allem auch leidenschaftlicher Stereofotograf und der weltweit größte Sammler dieser Kunst. Nach 2019, als in Baden seine Arbeit „Die Mondlandung in 3D“ im Arnulf Rainer Museum ihre Weltpremiere erlebte, wird das Festival mit „Stereoscopic Adventures In Hell“ eine absolute Rarität seiner Sammlung zeigen, die kurz nach der Erfindung der Fotografie geschaffen wurde. Dieser 3D-Kultklassiker bietet einen einzigartigen satirischen Blick auf die Vorstellung der Hölle in den 1860er Jahren und versetzt sie auf die schönst mögliche Weise in eine albtraumhafte Unterwelt! Diese bemerkenswerten Szenen wurden von den zwei führenden französischen Bildhauern Pierre Hennetier und Louis Habert aus Ton modelliert und dann mit einer Stereokamera fotografiert – ein ganz besonderer Fotografie-Leckerbissen im Kontext des 200. Geburtstages der Fotografie. Ebenso spektakulär und dem runden Geburtstag der Fotografie gewidmet zeigt das Festival die Retrospektive des einzigartigen Schaffens von Foto-Ikone und Magnum Gründer Robert Capa als erste Zusammenarbeit des Festivals mit dem Robert Capa Contemporary Photography Center Budapest. Eine andere Rarität ist die Ausstellung von Michel Bouvet „I Love The Beatles“; der ein echter Beatles-Fan ist und in 35 außergewöhnlichen Bildern die legendärsten Songs der mythischen Band aus L
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