
von Maria Frank
Vorwort zur 2. AuflageDas schmale Büchlein, das Sie in Händen halten, hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Als es im September 1993 zur Wiedereinweihung unseres Kircherls von Sankt Maurenzen erschien, war es als Festschrift für einen einzigen großen Tag gedacht. Doch dann wollte es einfach nicht in Vergessen-heit geraten: Die erste Auflage ist seit vielen Jahren vergriffen, und wer heute noch ein Exemplar besitzt, hütet es wie einen kleinen Schatz und verleiht es allenfalls gegen Pfand. Höchste Zeit also für diese Neuauflage.Warum dieses abgelegene Kircherl auf seinem Berg hoch über der Wottawa so viele Menschen nicht mehr loslässt, kann ich schwer erklären, aber leicht bezeugen. Wer einmal erlebt hat, wie dort nach der Wallfahrtsmesse das Böhmerwaldlied angestimmt wird, jede Strophe abwechselnd auf Deutsch und auf Tschechisch, gesungen von den Nachkommen der Vertriebenen und den heutigen Bewohnern des Böhmerwaldes gemeinsam, der weiß, dass dieser Ort etwas kann, was nur wenigen Orten gegeben ist: Er versöhnt. Bei mir kommt freilich noch etwas hinzu. Gleich neben dem Kirchenportal liegt in einem Ehrengrab mein Ururgroßvater Adolf Klimsa begraben, der langjährige Lehrer der Maurenzener Dorfschule. Wenn ich durch das Portal in die Kirche trete, gehe ich also im Wortsinn an meinem Ururopa vorbei. Man möge es mir nachsehen, dass ich als sein Nachfahre und als Familienarchivar dieser Kirche, ihrem Friedhof und ihrem Beinhaus mit besonderer Zuneigung verbunden bin.Diese Festschrift hat eine Verfasserin, und ihr gebührt an dieser Stelle die tiefste Verbeugung: Maria Frank, geboren 1930 in Oppelitz bei Bergreichen-stein, Gründungsmitglied unseres Förderkreises und eine der großen Chronistinnen des mittleren Böhmerwaldes. Was sie in ihren Büchern und unzähligen Beiträgen festgehalten hat, vom Alltag der Menschen auf dem Maurenzener Berg bis zu ihrem Standardwerk über die Schulen im mittleren Böhmerwald, ist durch nichts zu ersetzen. Ich gestehe gern: Über das Leben und Wirken meiner eigenen Vorfahren, der Maurenzener und Hartmanitzer Lehrer Adolf und Franz Klimsa, habe ich aus Maria Franks Arbeiten mehr gelernt als aus mancher Kirchenmatrik. Sie hat den Menschen, deren Namen ich in alten Registern suchte, ihre Geschichten zurückgegeben. Maria Frank ist 2006 verstorben; ein Nachruf in diesem Band würdigt ihr reiches Wirken. Dass nun ausgerechnet ihre Tochter Elli diese Neuauflage mit so viel Herzblut und Sachverstand betreut, ist weit mehr als ein glücklicher Zufall: Es ist die schönste Fortsetzung, die das Werk ihrer Mutter finden konnte, und dafür danke ich ihr von Herzen.Den Text von 1993 haben wir mit Bedacht unverändert gelassen. Er ist ein authentisches Zeugnis jener Anfangsjahre, als eine Handvoll Unentwegter sich daran machte, ein dem Verfall preisgegebenes Gotteshaus zu retten, und noch niemand ahnen konnte, wie diese Geschichte ausgehen würde. Mitten in den Restaurierungsarbeiten, im Sommer 1993, wurden unter dem Putz mittelalterliche Wandmalereien gefunden und freigelegt, die dort mehr als sechs Jahrhunderte geschlummert hatten. Was damals nur in einem ersten vorsichtigen Bericht gewürdigt werden konnte, wird in dieser Neuauflage nachgeholt: durch einen eigenen Beitrag über die Fresken aus der Feder von Christian Aussprung, bebildert mit aktuellen Fotografien von Ralph Toman. Hinzu kommen eine Vorstellung unseres heutigen Förderkreises von Michael Petraschka und der erwähnte Nachruf auf Maria Frank. Wer darüber hinaus die ganze, wechselvolle Geschichte unseres Vereins nachlesen möchte, dem sei die Chronik des Förderkreises aus der Feder unseres Ehrenvorsitzenden Karl Suchy ans Herz gelegt.Auf dem ältesten Fresko an der Nordwand begegnen drei Lebende drei Toten, und die Toten geben ihnen mit auf den Weg: Wir waren, was ihr jetzt seid; ihr werdet sein, was wir sind. Die Maler des Mittelalters meinten das als Mahnung. Ich lese es heute, einige Jahrhunderte später, eher als Auftrag: Was uns die Früheren hinterlassen haben, das Kircherl, die Gräber, die Bilder, die Geschichten, geben wir weiter an die, die nach uns kommen. Genau dafür gibt es unseren Förderkreis, und genau dafür gibt es dieses Büchlein. Wie Sie uns bei dieser Aufgabe begleiten und unterstützen können, verrät Ihnen Michael Petraschka in seinem Beitrag. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und noch mehr Freude bei Ihrem nächsten Besuch auf dem Maurenzener Berg.Dr. Christopher Mader 1. Vorsitzender des Förderkreises zur Erhaltung von St. Maurenzen e. V. im September 2026
* Affiliate-Link — kein Mehrpreis für dich.
Sortiert nach Gesamtpreis inkl. Versand, sofern verfügbar.
Werke aus verwandten Genres.
Bester Preis · bücher.de
9,00 €
Maße: 21.0 x15.0 x1.0 cm
Bester Preis
Ab 10,99 €