
von Franz Werfel
Stern der Ungeborenen, 1946 postum erschienen und von Werfel als Reiseroman bezeichnet, führt den Erzähler F. W. hunderttausend Jahre in die Zukunft. Unter Führung des wiederbegegneten B. H. durchmisst er eine technisch vollendete Zivilisation, in der Raum, Körper und Tod scheinbar beherrschbar geworden sind. Der Stil verbindet gelehrte Spekulation, satirische Gesellschaftsanalyse, visionäre Bildkraft und theologische Meditation; im Kontext der europäischen Exilliteratur erscheint der Roman als spätes, eigenwilliges Gegenstück zu Utopie und Dystopie. Franz Werfel, 1890 in Prag geboren und 1945 im amerikanischen Exil gestorben, war geprägt von jüdischer Herkunft, habsburgischer Vielsprachigkeit, expressionistischer Moderne und einer lebenslangen Nähe zu religiösen Fragen. Seine Flucht vor dem Nationalsozialismus, die Erfahrung zivilisatorischer Katastrophe und sein humanistisches Geschichtsdenken, bereits in Die vierzig Tage des Musa Dagh und Das Lied von Bernadette sichtbar, verdichten sich hier zu einer eschatologischen Zukunftsschau. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Science-Fiction nicht als Technikphantasie, sondern als philosophisches Labor verstehen. Werfels Roman fordert Geduld, belohnt sie jedoch mit einer ungewöhnlichen Reflexion über Fortschritt, Erlösung, Erinnerung und die unverlierbare Würde des Menschen.
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