
Truggeister entfaltet bereits im Titel ein Programm der Verunsicherung: Erscheinungen, Täuschungen und innere Projektionen werden zum Prüfstein menschlicher Wahrnehmung. Das Werk steht im Umfeld des späten poetischen Realismus, berührt aber jene psychologischen und stimmungshaften Zonen, in denen die Literatur des Fin de Siècle die Grenzen zwischen Erfahrung, Aberglauben und Selbstbetrug auslotet. Perfalls Prosa verbindet erzählerische Anschaulichkeit mit genauer Milieubeobachtung; Natur, gesellschaftliche Konvention und seelische Unruhe bilden keinen bloßen Hintergrund, sondern ein dichtes Deutungsgewebe. Anton von Perfall, bayerischer Schriftsteller aristokratischer Herkunft, war besonders mit Jagd-, Natur- und Gesellschaftsstoffen vertraut. Seine Nähe zu ländlichen Lebenswelten, sein Sinn für Landschaft und sein Interesse an den Verhaltenscodes gehobener Kreise erklären die Spannungen, aus denen Truggeister seine Wirkung gewinnt. Der Autor schreibt aus einer Perspektive, die Tradition kennt, sie aber zugleich literarisch befragt. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die an deutschsprachiger Prosa des 19. Jahrhunderts, an psychologisch grundierten Erzählformen und an der Kulturgeschichte von Wahrnehmung interessiert sind. Truggeister belohnt eine aufmerksame Lektüre: Es zeigt, wie äußere Welt und innere Täuschung einander spiegeln.
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