
Uli der Pächter führt die Entwicklung des einstigen Knechts Uli weiter und zeigt ihn als selbstverantwortlichen Landwirt, Ehemann und moralisch geprüften Hausvater. Der Roman verbindet dichte bäuerliche Milieuschilderung mit didaktischer Erzählkunst: Arbeit, Besitz, Ehe, Kredit und Nachbarschaft erscheinen als Bewährungsfelder christlich-sozialer Ordnung. In der Tradition des Bildungsromans wird Reife nicht als Selbstverwirklichung, sondern als Einübung in Pflicht, Maß und Gottesfurcht verstanden. Jeremias Gotthelf, bürgerlich Albert Bitzius, war reformierter Pfarrer im bernischen Emmental und kannte die ökonomischen, religiösen und sozialen Spannungen des ländlichen Lebens aus unmittelbarer Seelsorge. Seine Erfahrung mit Armut, Verschuldung, Erziehung und Gemeindepolitik prägt den Roman unverkennbar. Gotthelf schrieb nicht aus idyllischer Distanz, sondern als moralischer Diagnostiker einer bäuerlichen Gesellschaft im Wandel, deren Gefährdungen er ebenso ernst nahm wie ihre sittlichen Ressourcen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die den deutschsprachigen Realismus in seiner schweizerischen, volkstümlich-theologischen Ausprägung verstehen wollen. Uli der Pächter ist mehr als eine Fortsetzung: Er ist eine eindringliche Studie über Charakterbildung unter wirtschaftlichem Druck. Wer Literatur sucht, die soziale Beobachtung, religiöse Ethik und erzählerische Kraft verbindet, findet hier ein bedeutendes Werk von bleibender Aktualität.
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