
von Clemens Lorei, Bernd
Wenn Polizeibeamte schießen müssen, dann ist in der Regel eine schnelle Reaktion auf ein Ereignis beziehungsweise auf die Handlung einer Person erforderlich. Diese Handlung oder dieses Ereignis besteht dann oft in einer lebensgefährlichen Bedrohung oder sogar einem Angriff auf den Schützen selbst oder eine andere Person. Dabei droht die Person oder sie agiert mit einem Gegenstand, häufig einer Waffe. Dieses Objekt befindet sich an einem bestimmten Ort im Raum. Mitunter befindet sich dieser Ort nicht im Bereich des Körpers, den ein Polizeischütze dann beschießt, sondern deutlich davon entfernt. Das bedeutet, dass der Zielbereich räumlich und damit auch visuell nicht mit dem Ort des Objekts zusammenfällt, das den Ausschlag für die Entscheidung zum Schießen gibt. Visuell ist das Entscheidungskriterium für den Schusswaffengebrauch also nicht kongruent mit dem Ziel, das beschossen werden soll. Während bei Kongruenz von Entscheidungskriterium und Ziel der Schütze dorthin schießen kann, wo er auch hinschaut, muss er bei Inkongruenz nach dem Erkennen der Gefahr durch den Gegenstand seinen Blick auf das Zielgebiet des Angreifers richten. Es kann vermutet werden, dass diese Differenz zwischen Kongruenz und Inkongruenz von Entscheidungskriterium und Schießziel – auch einen Unterschied in der Schießleistung hervorruft. Somit würde eine visuelle Differenz der Orte von Entscheidungskriterium und Schießziel potenziell eine Ablenkung verursachen (visuelle Distraktion). Dies soll in der hier berichteten Studie geprüft werden.
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