
von Fritz Mauthner
Vom armen Franischko ist eine konzentrierte Erzählung über Armut, Abhängigkeit und die fragile Würde eines Menschen am Rand der bürgerlichen Welt. Mauthner verbindet realistische Beobachtung mit leiser Ironie und psychologischer Genauigkeit; aus scheinbar einfachen Szenen entsteht ein soziales Porträt, das die Härte von Milieu, Sprache und Vorurteil sichtbar macht. Im literarischen Kontext des späten 19. Jahrhunderts steht der Text zwischen poetischem Realismus, früher sozialkritischer Moderne und jener skeptischen Sprachreflexion, die Mauthners Werk prägt. Fritz Mauthner, 1849 im böhmischen Horschitz geboren und in Prag geprägt, war Schriftsteller, Kritiker und Philosoph. Seine Erfahrung als deutsch-jüdischer Autor in der vielsprachigen Habsburgermonarchie schärfte seinen Blick für Ausgrenzung, Missverständnis und die Macht gesellschaftlicher Zuschreibungen. Als Journalist und späterer Sprachkritiker interessierte ihn besonders, wie Worte Wirklichkeit formen und zugleich verfehlen; diese Sensibilität erklärt die Eindringlichkeit, mit der er Franischkos Schicksal gestaltet. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die kurze Prosa mit moralischer Tiefe schätzen. Es ist keine bloße Elendsgeschichte, sondern eine präzise Studie über Mitgefühl, soziale Blindheit und menschliche Verletzbarkeit. Wer Mauthners philosophisches Werk kennt, findet hier dessen erzählerische Vorform; wer ihn entdeckt, begegnet einem Autor von seltener intellektueller und emotionaler Schärfe.
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