
von Jacob Burckhardt
Jacob Burckhardts Weltgeschichtliche Betrachtungen sind keine chronologische Universalgeschichte, sondern eine methodische Meditation über die Kräfte, die geschichtliches Leben formen: Staat, Religion und Kultur. Aus Vorlesungen hervorgegangen, verbindet das Werk aphoristische Prägnanz mit skeptischer Weite; es misstraut Fortschrittsdogmen, heroischen Systemen und moralischer Selbstgewissheit. In der Tradition humanistischer Geschichtsschreibung, doch gegen den Optimismus des 19. Jahrhunderts gerichtet, untersucht Burckhardt Krisen, Revolutionen, Größe und Verfall als wiederkehrende Konstellationen menschlicher Existenz. Burckhardt, 1818 in Basel geboren, war Kunst- und Kulturhistoriker, berühmt durch Die Kultur der Renaissance in Italien. Seine protestantisch-humanistische Bildung, die Basler Gelehrtenwelt und die Erfahrung eines Jahrhunderts politischer Umbrüche prägten seinen Blick. Er schrieb aus Distanz zu Nationalismus, Massendemokratie und Machtstaat; gerade diese Zurückhaltung machte ihn zu einem scharfen Diagnostiker der Moderne, der Geschichte weniger als Fortschritt denn als Prüfung kultureller Formen verstand. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Erkenntnis nicht als Faktenanhäufung, sondern als Schulung des Urteils suchen. Es fordert Widerspruch heraus, bleibt aber durch Stil, Tiefenschärfe und intellektuelle Redlichkeit ein unverzichtbarer Klassiker.
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