
von Oliver Reuter
Der mittelalterliche Alltag war geprägt von körperlicher Arbeit, Wetterabhängigkeit und einem komplexen Netz sozialer Verpflichtungen. Dieses Buch rekonstruiert, wie die Mehrheit der Menschen lebte—Bauern; Handwerker, Tagelöhner—deren Erfahrungen in Chroniken über Könige und Kriege kaum vorkommen. Es zeigt den Rhythmus des Jahres: Aussaat, Ernte, Wintervorsorge, die ständige Bedrohung durch Missernten, Seuchen und herrschaftliche Abgaben. Auf Basis von Gerichtsakten, Haushaltsbüchern, archäologischen Befunden zu Wohnverhältnissen und Ernährungsresten sowie Zunftordnungen folgt die Darstellung konkreten Lebensläufen: Eine Bauernfamilie organisierte Feldarbeit und Vorratshaltung, städtische Handwerkerfamilien navigierten Zunftregeln und Marktkonkurrenz, Frauen bewältigten Haushaltsführung neben Feldarbeit oder Markthandel—die Narrative zeigen, wie Menschen unter prekären Bedingungen Normalität schufen. Das Buch korrigiert romantisierende Mittelalterbilder: Lebenserwartung war niedrig, medizinische Versorgung rudimentär, soziale Mobilität begrenzt. Gleichzeitig zeigt es Handlungsspielräume: dörfliche Selbstverwaltung, nachbarschaftliche Solidarität in Notzeiten, informelle Ökonomien. Es beleuchtet Geschlechterrollen, Kindheit ohne moderne Erziehungskonzepte, die Bedeutung kirchlicher Festtage für Arbeitsrhythmen—und macht verständlich, wie materielle Zwänge alle Lebensbereiche durchdrangen.
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Maße: 29.7 x21.0 x29.7 cm
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