
von Andersen, Hans Christian, Mathilde Mann (Übers.), Gertrud Bauer u. a.
Andersens Märchen versammelt jene Kunstmärchen, in denen das Wunderbare nicht bloß der Unterhaltung dient, sondern existentielle Erfahrung sichtbar macht: Armut und Sehnsucht, Eitelkeit und Opfer, kindliche Wahrnehmung und gesellschaftliche Härte. In einer Sprache von scheinbarer Einfachheit verbindet Andersen mündliche Erzähltradition, romantische Symbolik und moderne psychologische Feinzeichnung. Figuren wie das hässliche Entlein, die kleine Meerjungfrau oder des Kaisers neue Kleider sind zugleich poetische Gestalten und präzise kulturelle Diagnosen. Hans Christian Andersen, 1805 in Odense geboren, kannte soziale Unsicherheit, Außenseitertum und den Wunsch nach Anerkennung aus eigener Biographie. Sein Aufstieg vom armen Schuhmachersohn zum europäischen Schriftsteller prägte den Blick auf verletzliche, unbeachtete und verwandelte Existenzen. Reisen, Theatererfahrung und die dänische Romantik lieferten ihm Formen, doch seine eigentliche Originalität liegt in der Verbindung von autobiographischer Empfindsamkeit und universalem Gleichnis. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern jeden Alters, die Märchen nicht als harmlose Kinderliteratur, sondern als vielschichtige poetische Erkenntnisform verstehen möchten. Andersens Texte lehren Mitleid ohne Sentimentalität, Ironie ohne Zynismus und Hoffnung ohne Verharmlosung.
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