
von Edgar Wallace
Mit A.S. der Unsichtbare entfaltet Edgar Wallace einen Kriminalroman, der das Motiv des allgegenwärtigen, doch nicht greifbaren Gegenspielers ins Zentrum stellt. Ein rätselhafter Verbrecher, nur durch seine Initialen fassbar, lenkt Ereignisse aus dem Schatten und zwingt Polizei wie Betroffene zu einer Lektüre von Spuren, Drohungen und falschen Identitäten. Wallaces Prosa ist knapp, szenisch und dialogstark; sie verbindet Sensationsdramaturgie mit genauer Beobachtung urbaner Milieus. Im Kontext des britischen Golden-Age-Krimis wirkt der Roman weniger als Rätselspiel denn als spannungsgetriebene Studie moderner Unsicherheit. Edgar Wallace, geboren 1875 in London, arbeitete als Soldat, Kriegsberichterstatter, Journalist und Theaterautor, bevor er zu einem der produktivsten Erzähler der englischen Unterhaltungsliteratur wurde. Seine Nähe zu Presse, Gerichten und Polizeiberichten prägte den schnellen Zugriff auf Stoffe, seine Kenntnis von Armut, Sensationsjournalismus und imperialer Weltläufigkeit die Atmosphäre seiner Bücher. A.S. der Unsichtbare speist sich aus dieser Erfahrung: Verbrechen erscheint hier als mediales, soziales und psychologisches Phänomen. Für Leserinnen und Leser, die klassische Kriminalliteratur nicht nur als Zeitvertreib, sondern als Dokument früher moderner Ängste verstehen wollen, ist dieser Roman besonders lohnend. Er bietet Tempo, Intrige und melodramatische Zuspitzung, zugleich aber ein präzises Gespür für Macht durch Anonymität. Wer Wallace kennenlernen möchte, findet hier einen überzeugenden Zugang.
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