
von Franz Werfel, Fred
Der veruntreute Himmel, mit dem Untertitel Die Geschichte einer Magd, erzählt von Teta Linek, einer frommen böhmischen Dienstbotin in Wien, die ihre bescheidenen Ersparnisse opfert, damit ihr Neffe Priester werde und ihr gleichsam einen Platz im Himmel sichere. Als sich diese Hoffnung als Betrug erweist, führt Werfel die Handlung über Enttäuschung, Pilgerreise und innere Läuterung zu einer theologischen Pointe: Gnade lässt sich nicht erwerben. Der Roman verbindet realistische Milieuschilderung, sanfte Ironie und religiöse Parabelkunst im Kontext der österreichisch-katholischen Erzähltradition der Zwischenkriegszeit. Franz Werfel, 1890 in Prag geboren, war ein deutschsprachiger jüdischer Schriftsteller, geprägt von der Vielvölkerwelt der Habsburgermonarchie, vom Expressionismus und von einem lebenslangen Interesse an religiöser Erfahrung. Seine Nähe zu katholischen Motiven, sichtbar auch in Das Lied von Bernadette, entsprang keiner einfachen Konversion, sondern einer humanistischen Suche nach Erlösung, Mitleid und moralischer Wahrheit. Exil, politische Erschütterung und der Verlust alter Sicherheiten schärften seinen Blick für einfache Menschen und ihre metaphysischen Hoffnungen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die religiöse Fragen ohne dogmatische Enge, psychologische Feinheit ohne Kälte und erzählerische Zugänglichkeit ohne geistige Vereinfachung suchen. Werfels Roman ist eine leise, kluge Meditation über Vertrauen, Täuschung und die unverdienbare Freiheit der Gnade.
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