
von Till Knobloch, Ilse Frapan u. a.
Alle wollten Frieden. Einer wollte Krieg. Stell dir vor, fast keiner will Krieg, und er kommt trotzdem. Wir haben uns angewöhnt, den Zweiten Weltkrieg als beinahe zwangsläufige Folge des Ersten zu sehen. Dieses Buch erzählt eine andere, viel dramatischere Geschichte. Es zeigt, wie sich die Politiker und Diplomaten eines ganzen Kontinents ver zweifelt gegen den Wahn eines einzigen Mannes stemmten, der die Welt in den Abgrund zu reißen drohte. Anders als im Juli 1914 herrschte im August 1939 in Europa keine Kriegsbegeiste rung - nicht einmal in Deutschland. Zu genau wussten die Menschen, was ein Weltkrieg bedeutete. Nach dem Schlachten und Bluten der grausamen Kriegsjahre wollte diese Generation, nicht anders als wir heute, Frieden und Fortschritt. Einer jedoch hatte anderes im Sinn: Der deutsche Diktator hatte den letzten Krieg durch aus genossen und wünschte tatsächlich nichts sehnlicher, als ihn - auf seine Art - zu wiederholen. Eindringlich und mit großem darstellerischen Talent entfaltet Till Knobloch das diplomatische Panorama der Vorkriegszeit, als Europa sein letztes Jahr im Frieden erlebte. Einfühlsam porträtiert er die führenden europäischen Politiker, die nicht zu begreifen vermochten, wie jemand ernsthaft den Krieg wollen konnte, und die sich in ihrer Professionalität als unfähig erwiesen, mit der Dynamik des Autokraten in Berlin Schritt zu halten, der unbekümmert die Rat schläge aller Experten in den Wind schlug. Mit angehaltenem Atem verfolgt man Hitlers Verwirrspiel ebenso wie die immer verzweifelteren Bemühungen seiner Gegenspieler, die Katastrophe doch noch abzuwenden. Am Ende steht die Erkenntnis, wie brüchig der Friede und wie groß - trotz allem - die Macht des Einzelnen sein kann.
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