
von Anonym, Maurizio Bettini u. a.
Georg Ebers' "Homo sum" ist ein historischer Roman, der die Welt der frühchristlichen Einsiedler am Sinai mit psychologischer und kulturgeschichtlicher Genauigkeit entfaltet. Im Zentrum steht der Konflikt zwischen asketischem Ideal und unabweisbarer Menschlichkeit: Glaube, Begehren, Schuld und Mitleid werden nicht als abstrakte Begriffe, sondern als dramatische Kräfte sichtbar. Ebers verbindet gelehrte Rekonstruktion, anschauliche Landschaftsschilderung und einen erzählerischen Realismus, der den Roman in die große Tradition des historischen Bildungsromans des 19. Jahrhunderts stellt. Georg Ebers, Ägyptologe, Reisender und Professor, brachte in seine Romane eine seltene Verbindung aus wissenschaftlicher Quellenkenntnis und erzählerischer Vorstellungskraft ein. Seine Beschäftigung mit der antiken Welt, mit Religionen des Orients und mit den Übergängen zwischen Heidentum, Judentum und Christentum prägte auch "Homo sum". Der Titel, dem humanistischen Satz Terenz' entnommen, verweist auf Ebers' zentrales Anliegen: das Menschliche selbst im Gewand heiliger Strenge freizulegen. Empfohlen sei dieses Buch allen, die historische Romane nicht bloß als Kostümgeschichte, sondern als gedanklich anspruchsvolle Erkundung vergangener Lebensformen lesen möchten. "Homo sum" bietet Spannung, Atmosphäre und moralische Tiefe zugleich.
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