
von Paul Lindau, Richard Mahrenholtz u. a.
Alexander von Ungern-Sternbergs "Molière" nähert sich dem französischen Komödiendichter nicht als bloße Lebensbeschreibung, sondern als literarisches Porträt einer Epoche, in der Theater, höfische Macht und gesellschaftliche Kritik unauflöslich miteinander verbunden waren. Im Mittelpunkt steht Molière als Künstler und Beobachter menschlicher Schwächen: Seine Komik erscheint zugleich als Unterhaltung, moralische Diagnose und subtile Gesellschaftsanalyse. Ungern-Sternberg verbindet biografische Vergegenwärtigung mit erzählerischer Gestaltung und stellt die dramatische Welt des 17. Jahrhunderts in einen kulturgeschichtlichen Zusammenhang. Dabei folgt der Text einer romantisch geprägten, bildhaften Prosa, die historische Anschaulichkeit mit psychologischer Deutung und ironischer Distanz verbindet. Der deutsch-baltische Schriftsteller Alexander von Ungern-Sternberg (1806-1868) war als Erzähler, Satiriker und vielseitig gebildeter Künstler mit den Spannungen zwischen gesellschaftlicher Konvention, individueller Freiheit und künstlerischer Wahrheit vertraut. Sein Interesse an Molière erklärt sich aus einer verwandten poetischen Haltung: Beide beobachten soziale Rollen, Eitelkeiten und Selbsttäuschungen mit scharfem Blick, ohne den Menschen auf bloße Lächerlichkeit zu reduzieren. Ungern-Sternbergs historisches Interesse dient daher zugleich der Selbstverständigung des modernen Schriftstellers über die Wirkungsmacht des Theaters. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die Molière nicht nur als Klassiker einzelner Komödien, sondern als prägende Gestalt europäischer Literaturgeschichte kennenlernen möchten. Es eröffnet einen anschaulichen Zugang zu seinem Werk und zeigt, warum Komik gerade dort erkenntnisreich wird, wo sie gesellschaftliche Masken sichtbar macht.
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Maße: 0.4 x15.2 x22.9 cm
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