
von Mark Twain
Querkopf Wilson, 1894 erschienen, verbindet Kriminalroman, Gesellschaftssatire und psychologische Studie zu einer scharfsinnigen Untersuchung von Identität, Herkunft und Recht. In der fiktiven Mississippistadt Dawson's Landing führt die Vertauschung zweier Kinder, eines weißen Erben und eines versklavten Kindes mit heller Haut, zu einer bitteren Entlarvung rassischer Konstruktionen. Twains Stil ist knapp, ironisch und von scheinbar beiläufiger Komik geprägt; zugleich steht der Roman im Kontext des amerikanischen Realismus und der nachbürgerkrieglichen Auseinandersetzung mit Sklaverei, Klasse und juristischer Wahrheit. Mark Twain, geboren als Samuel Langhorne Clemens, kannte die Welt des Mississippi aus eigener Erfahrung: als Kind in Missouri, als Lotse auf dem Fluss und als Beobachter einer Gesellschaft, deren Humor oft über Grausamkeit hinwegtäuschte. Seine Skepsis gegenüber moralischen Gewissheiten, sein Interesse an Betrug, Rollenspiel und sozialer Maskerade sowie seine Kenntnis der amerikanischen Rechts- und Rassenordnung prägen dieses Werk nachhaltig. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die klassische Literatur nicht als Denkmal, sondern als lebendiges Instrument der Kritik begreifen. Querkopf Wilson ist unterhaltsam, verstörend und erstaunlich modern: ein Roman, der zeigt, wie zerbrechlich Identität wird, wenn eine Gesellschaft sie an Blut, Besitz und Vorurteil bindet.
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