
von Verena Schindler, Ernst Urlichs Platner u. a.
Émile Zolas "Rom" entfaltet als zweiter Teil des Zyklus "Die drei Städte" eine weit gespannte Analyse der katholischen Welt am Ende des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum steht der Abbé Pierre Froment, der nach Rom reist, um seine reformerische Schrift gegen kirchliche Verdächtigungen zu verteidigen. Zola verbindet dokumentarische Genauigkeit, naturalistische Milieuschilderung und symbolische Topographie: Paläste, Kurienbüros, Kirchen und arme Viertel werden zu Schauplätzen eines Konflikts zwischen sozialer Erneuerung, Glauben, Macht und politischer Erstarrung. Zola, Hauptvertreter des französischen Naturalismus und Autor des "Rougon-Macquart"-Zyklus, schrieb aus einer ausgeprägt sozialkritischen und republikanischen Perspektive. Seine Beschäftigung mit Wissenschaft, Vererbung, Institutionen und gesellschaftlicher Ungerechtigkeit prägt auch "Rom". Die Figur Pierre Froment erlaubt ihm, religiöse Sehnsucht ernst zu nehmen und zugleich die Mechanismen einer hierarchischen Kirche zu untersuchen, die auf die moderne soziale Frage nur zögerlich antwortet. Empfohlen sei dieser Roman Lesern, die historische Fiktion nicht als bloße Kulisse, sondern als intellektuelles Labor schätzen. "Rom" bietet keine einfache Anklage, sondern eine vielschichtige Diagnose von Glauben und Macht im Zeitalter der Moderne.
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