
Arthur Schnitzlers Roman "Therese. Chronik eines Frauenlebens" entfaltet die Geschichte einer jungen Frau aus verarmtem bürgerlichem Milieu, deren Lebensweg zwischen Bildungsanspruch, ökonomischer Abhängigkeit, erotischer Selbstbehauptung und gesellschaftlicher Disziplinierung verläuft. In nüchtern-präziser, psychologisch durchdringender Prosa zeichnet Schnitzler weniger ein melodramatisches Schicksal als eine soziale Fallstudie der späten Habsburgermonarchie. Der Roman steht im Kontext der Wiener Moderne, verbindet erzählerischen Realismus mit seelischer Analyse und zeigt, wie intime Entscheidungen von Klassenordnung, Geschlechterrollen und moralischen Konventionen geprägt werden. Arthur Schnitzler, Arzt, Dramatiker und Erzähler, war einer der scharfsinnigsten Beobachter des fin de siècle in Wien. Seine medizinische Ausbildung, sein Interesse an Hypnose, Sexualpsychologie und unbewussten Motiven sowie seine genaue Kenntnis bürgerlicher Lebensformen prägen auch "Therese". Wie in vielen seiner Werke untersucht er die Spannung zwischen gesellschaftlicher Fassade und innerer Wahrheit, zwischen Wunsch, Schuld und Selbsttäuschung. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die an psychologisch genauer Literatur, Frauenfiguren jenseits idealisierender Klischees und der sozialen Anatomie einer untergehenden Epoche interessiert sind. "Therese" ist ein stilles, unerbittliches Werk, dessen Aktualität in seiner Analyse weiblicher Verwundbarkeit und begrenzter Handlungsspielräume fortbesteht.
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