
In Das Lied der Parzen entfaltet Alfred Schirokauer ein erzählerisches Tableau, in dem antike Schicksalsvorstellung und moderne Seelenanalyse ineinandergreifen. Der Titel ruft die Parzen auf, jene Spinnerinnen des Lebensfadens, und deutet damit die zentrale Spannung an: Wie weit reicht menschliche Freiheit angesichts gesellschaftlicher, erotischer und moralischer Verstrickungen? Schirokauers Prosa verbindet psychologische Beobachtung mit dramatischer Zuspitzung und steht im Kontext der deutschsprachigen Literatur des Fin de Siècle, die Schuld, Begehren und Determination neu befragte. Alfred Schirokauer, 1880 in Breslau geboren und 1934 in Wien gestorben, war Jurist, Romancier, Biograph und Drehbuchautor. Seine Doppelperspektive als gebildeter Beobachter bürgerlicher Milieus und als professioneller Erzähler prägte sein Interesse an Konflikten zwischen Norm und Leidenschaft. Historische Bildung, Theater- und Filmerfahrung sowie die Umbrüche der Jahrhundertwende lieferten ihm Stoff für ein Buch, das individuelles Schicksal als kulturelles Problem lesbar macht. Empfohlen sei Das Lied der Parzen Leserinnen und Lesern, die erzählerische Spannung nicht von geistiger Durchdringung trennen möchten. Das Werk bietet keine bloße Unterhaltung, sondern eine kluge Reflexion über Verantwortung, Zufall und die unsichtbaren Fäden, aus denen Lebensläufe gewebt werden.
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