
Der grüne Pompadour entfaltet einen historischen Kriminalfall, in dem ein scheinbar nebensächliches Accessoire zum Träger verborgener Schuld, sozialer Maskierung und präziser Indizien wird. Adlersfeld-Ballestrem verbindet die Spannung des Detektivromans mit der Ausstattungskunst des Gesellschafts- und Historienromans: Salons, Standesrituale und höfische Erinnerungsräume bilden nicht bloß Kulisse, sondern ein System von Zeichen. Ihr Stil ist elegant, pointiert und beobachtungsscharf, verwandt mit der klassischen Rätselerzählung, doch bereichert durch kulturhistorische Sensibilität. Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem, 1854 in Ratibor geboren und dem europäischen Adel eng verbunden, kannte jene Milieus, deren Etikette, Diskretion und Machtspiele sie literarisch auswertete. Als produktive Erzählerin bewegte sie sich zwischen Unterhaltungsliteratur, Kriminalroman und Gesellschaftsstudie. Gerade ihre Herkunft und ihre genaue Kenntnis aristokratischer Lebensformen dürften sie befähigt haben, Verbrechen nicht nur als juristisches Rätsel, sondern als Störung einer ganzen sozialen Ordnung darzustellen. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Atmosphäre, psychologische Feinzeichnung und klassische Ermittlungslogik schätzen. Der grüne Pompadour bietet mehr als nostalgische Spannung: Er zeigt, wie Dinge sprechen, wenn Menschen schweigen, und macht die Vergangenheit zum analytisch lesbaren Tatort.
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