
Die Erbin von Lohberg entfaltet sich als Gesellschafts- und Familienroman um Besitz, Herkunft und die moralische Bewährung einer jungen Frau, deren Erbschaft nicht nur materiellen Wert, sondern auch soziale Verpflichtung bedeutet. Adlersfeld-Ballestrem verbindet die Spannung eines Intrigenromans mit genauer Beobachtung aristokratischer Lebensformen: Standesbewusstsein, Heiratsstrategien und verborgene Familieninteressen bestimmen den erzählerischen Raum. Ihr Stil ist elegant, pointiert und von jener kultivierten Unterhaltungskunst geprägt, die um 1900 zwischen Salonroman, Feuilleton und psychologisch geschärfter Populärliteratur vermittelt. Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem, 1854 in eine schlesische Adelsfamilie geboren, kannte die Welt, die sie beschreibt, aus unmittelbarer Anschauung. Ihre Herkunft, ihre Bildung und ihre Tätigkeit als vielgelesene Erzählerin ließen sie besonders sensibel für die Widersprüche zwischen gesellschaftlicher Etikette und persönlicher Freiheit werden. In ihren Romanen erscheinen adelige Milieus daher weder bloß verklärt noch bloß entlarvt, sondern als komplexe Ordnungen, in denen Frauen Handlungsspielräume suchen. Empfohlen sei Die Erbin von Lohberg allen Leserinnen und Lesern, die historische Unterhaltungsliteratur mit sozialgeschichtlicher Tiefenschärfe schätzen. Der Roman bietet Spannung, Milieukenntnis und ein präzises Bild jener Epoche, in der Erbe, Name und Charakter unauflöslich miteinander verknüpft scheinen.
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