
Der Kampf um Wien entwirft ein vielstimmiges Panorama der österreichischen Hauptstadt nach dem Ersten Weltkrieg: eine Stadt der Wohnungsnot, politischen Lagerbildung, sozialen Hoffnungen und ökonomischen Verwerfungen. Bettauer verbindet journalistische Genauigkeit mit der Dramaturgie des populären Romans; pointierte Dialoge, satirische Zuspitzung und ein rasches Erzähltempo machen die Konflikte der jungen Republik unmittelbar erfahrbar. Im literarischen Kontext der Zwischenkriegszeit steht das Buch zwischen Großstadtroman, Zeitkritik und engagierter Unterhaltungsliteratur. Hugo Bettauer, 1872 in Baden bei Wien geboren, war Journalist, Romancier und ein scharfer Beobachter urbaner Modernität. Seine jüdische Herkunft, seine Aufenthalte im Ausland, seine Erfahrungen als Reporter sowie sein Interesse an Sexualreform, sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Öffentlichkeit prägten seine Stoffe. Die Spannungen des zerfallenen Habsburgerreiches und der neuen Republik lieferten ihm das Material für eine Literatur, die Missstände nicht nur schildern, sondern öffentlich verhandelbar machen wollte. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Wien nicht als nostalgische Kulisse, sondern als politisch umkämpften Lebensraum verstehen möchten. Bettauers Roman bietet historische Anschaulichkeit, erzählerische Energie und eine bis heute bemerkenswerte Diagnose gesellschaftlicher Polarisierung.
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