
von Serageldin Fayed
"Leben wir oder werden wir gelebt?" Diese zentrale Frage wird anhand des Protagonisten verhandelt, der auf seltsame Weise die Fähigkeit erlangt, die verborgenen Wahrheiten der Stammkunden eines Cafés zu erkennen. Diese wissen nichts von seiner Identität. Was zunächst wie ein zufälliges Ereignis erscheint, entpuppt sich am Ende des Romans als perfide Inszenierung. Der Roman wirft einen scharfen Blick auf die Art und Weise, wie Menschen sich selbst und andere belügen. Im Laufe der Zeit wird dem Protagonisten bewusst, dass er die Stammkunden besser versteht als sie sich selbst, da sie durch die ständige Gewohnheit des Lügens ihre wahre Identität längst verloren haben. Anhand der Stammkunden des Cafés werden verschiedene Formen der Lüge dargestellt: die Lüge, um etwas zu erreichen, die Lüge, um ein vermeintliches Glück nach außen zu tragen, sowie die Lüge ohne erkennbaren Grund. Ebenso thematisiert der Roman die Philosophie der Erziehung und deren Einfluss auf spätere Beziehungen. Die internationale Politik im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine wird insbesondere durch den Charakter Odarka sowie weitere Figuren gespiegelt. Dabei stellt sich die Frage, wie es möglich ist, dass Menschen in ihren Beziehungen ähnlich handeln wie Staaten in ihrer Politik.
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