
Die Amtmannin von Hohenweile entfaltet ein erzählerisches Panorama von häuslicher Ordnung, sozialer Verantwortung und moralischer Bewährung im Umfeld einer kleinstädtisch-gutsherrlichen Amtswelt. Naubert verbindet empfindsame Figurenzeichnung mit aufklärerischer Didaxe: Private Konflikte, Standesgrenzen und Fragen weiblicher Handlungsmacht werden nicht sensationell, sondern psychologisch und gesellschaftlich reflektiert dargestellt. Im literarischen Kontext des späten 18. Jahrhunderts steht der Text zwischen Familienroman, moralischer Erzählung und frühem historisierenden Erzählen. Benedikte Naubert, eine der produktivsten deutschsprachigen Autorinnen ihrer Zeit, veröffentlichte lange anonym und prägte dennoch maßgeblich Formen des historischen Romans vor Walter Scott. Ihre Bildung, ihre Kenntnis populärer Erzähltraditionen und ihr Interesse an vergessenen oder randständigen Perspektiven erklären die Aufmerksamkeit, die sie weiblicher Erfahrung, sozialer Vermittlung und sittlicher Erziehung widmet. Die Amtmannin erscheint so als Ausdruck eines Schreibens, das Unterhaltung und kritische Beobachtung verbindet. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die die deutsche Literatur um 1800 jenseits des kanonischen Zentrums entdecken möchten. Es bietet nicht nur kulturhistorische Einsichten, sondern auch eine differenzierte Darstellung weiblicher Autorität in einer von Normen bestimmten Gesellschaft.
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Maße: 1.1 x15.2 x22.9 cm
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