
Herrmann von Unna entfaltet vor dem Hintergrund des spätmittelalterlichen Deutschlands ein dichtes Geflecht aus Familiengeheimnis, politischer Gewalt und moralischer Bewährung. Der historische Roman verbindet ritterliche Abenteuerhandlung mit aufklärerischer Reflexion über Recht, Schuld und soziale Ordnung; insbesondere die Atmosphäre geheimer Gerichtsbarkeit und adliger Machtkonflikte verleiht dem Stoff dramatische Spannung. Nauberts Stil ist erzählerisch beweglich, empfindsam grundiert und zugleich quellenbewusst: Geschichte erscheint nicht als bloße Kulisse, sondern als Prüfstein individueller Tugend. Benedikte Naubert, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Erzählerinnen des späten 18. Jahrhunderts, gilt heute als Wegbereiterin des historischen Romans vor Walter Scott. Ihre Bildung, ihre Vertrautheit mit Chroniken, Sagen und genealogischen Überlieferungen sowie ihr Interesse an verborgenen Akteuren der Geschichte prägten ihr Schreiben. Als Frau publizierte sie vielfach anonym; gerade daraus erwuchs eine Poetik, die Randfiguren, verschüttete Motive und moralische Zwischentöne mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Fiktion nicht nur als Unterhaltung, sondern als intellektuelle Form der Geschichtsdeutung schätzen. Herrmann von Unna bietet Spannung, psychologische Beobachtung und kulturhistorische Anschaulichkeit und verdient erneute Lektüre als frühes Meisterstück einer Gattung, deren Möglichkeiten Naubert erstaunlich souverän vorwegnimmt.
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Maße: 1.1 x15.2 x22.9 cm
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