
von Gelber Ludwigs
Heiligabend in Hollerbach. Mia und ihre Mutter decken das Neinerlaa, wie es Jettes Oma aufgeschrieben hat: neun Speisen, Stroh unter dem Tischtuch, Kleingeld unter dem Teller. Und ein Gedeck für den, der keins hat.Es sind nur zwei Menschen im Haus. Trotzdem steht am Tisch ein dritter Teller. Ihre Mutter hat, ohne es zu merken, eine dritte Serviette gefaltet, und sie weiß nicht, für wen. Als sie das Sauerkraut kosten will, ist es schwarz geworden und riecht nach Moor.Im Heft steht eine Zeile, die Mia seit achtzehn Tagen nicht vergessen hat: „Zähl die Teller. Wer zu viel deckt, erwartet jemanden." Nach dem alten Brauch darf niemand vom Tisch aufstehen, bis alles gegessen ist. Und man fragt den Gast nicht, wer er ist.Eine Weihnachtsgeschichte über das, was ein Haus vermisst, ohne es zu benennen, und über einen Platz am Tisch für jemanden, der lange draußen stand. Band 5 der Hollerbach-Geschichten.
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