
von Gelber Ludwigs
Seit dem Martinsabend liegt der Nebel über Hollerbach, flach und weiß wie verschüttete Milch. Er geht nicht weg. Beim Bäcker erkennt man den Postboten nicht mehr, und wer zu lange ins Weiß schaut, beginnt zu vergessen.Mia hat seit dem Martinsabend zwei weiße Finger und ein Heft, dessen Einträge sie nicht versteht. Der neueste lautet: „Das Dorf vergisst nicht, wer fehlt. Es vergisst, wen es sieht.“Gemeinsam mit Jette und Linus tastet sie sich durch den Nebel, ruft Namen wie ein Seil und findet auf dem Friedhof Lichter, die dort nicht sein dürften. Dann erzählt Jettes Oma vom Lichteln, einem alten Brauch des Dorfes: Man stellt das erste Licht ins Fenster, nicht für sich, sondern für den Nachbarn gegenüber.Eine Geschichte zum Totensonntag über das Erinnern, das Vergessen und die Frage, wer im Dunkeln das erste Licht anzündet. Band 3 der Hollerbach-Geschichten.
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