
von Balzac, Honoré de, Honor¿e Balzac u. a.
Die Lilie im Tal entfaltet als Bekenntnisroman innerhalb der Comédie humaine eine subtile Analyse unerfüllter Liebe und gesellschaftlicher Disziplin. Der junge Félix de Vandenesse berichtet rückblickend von seiner Bindung an Henriette de Mortsauf, deren sittliche Strenge und häusliches Martyrium im Loiretal zur poetischen Chiffre werden. Zwischen romantischer Innerlichkeit, realistischem Detail und moralpsychologischer Präzision untersucht Balzac den Konflikt von Begehren, Pflicht, Stand und Religion in der Restaurationsgesellschaft. Honoré de Balzac (1799-1850), der rastlose Architekt der Comédie humaine, kannte die Mechanismen aristokratischer Salons ebenso wie die Verletzungen sozialer Außenseiterschaft. Erfahrungen mit mütterlicher Kälte, ehrgeizigem Aufstieg und prägenden Beziehungen zu älteren Frauen, besonders Laure de Berny, nähren die emotionale Topographie des Romans. Seine genaue Beobachtung von Vermögen, Ehe und Prestige verbindet biographische Erinnerung mit umfassender Gesellschaftsdiagnose. Zu empfehlen ist dieser Roman Lesern, die in Balzac nicht nur den Chronisten materieller Interessen, sondern einen Meister seelischer Ambivalenz entdecken möchten. Die Lilie im Tal bietet keine einfache Liebesgeschichte, sondern eine Schule des Lesens von Gesten, Schweigen und moralischen Kompromissen. Wer Stendhal, Goethe oder Flaubert schätzt, findet hier ein Schlüsselwerk des europäischen psychologischen Romans.
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