
von August Sperl
August Sperls Hans Georg Portner ist ein historischer Roman, der das Schicksal seiner Titelfigur in die politische, soziale und konfessionelle Welt der frühneuzeitlichen deutschen Stadtgesellschaft einzeichnet. Der erzählerische Zugriff verbindet archivalisch anmutende Detailfreude mit breit angelegter epischer Komposition: Bürgerliche Lebensformen, städtische Ämter, Standesbewusstsein und religiöse Spannungen erscheinen nicht als bloße Kulisse, sondern als Kräfte, die Charakter und Handlung formen. Stilistisch steht das Werk in der Tradition des historistischen Romans des späten 19. Jahrhunderts, der Vergangenheit durch sorgfältige Milieuschilderung und moralisch geschärfte Konflikte vergegenwärtigt. August Sperl, aus dem fränkisch-bayerischen Kulturraum hervorgegangen, gehörte zu jenen Autoren, die regionale Geschichte als Stoff nationaler und kultureller Selbstverständigung begriffen. Seine Nähe zu süddeutschen Erinnerungsräumen, sein Interesse an alten Reichsstädten und an den Ordnungen bürgerlicher Gemeinwesen erklären die Wahl eines Stoffes, in dem individuelle Bewährung und historische Struktur eng ineinandergreifen. Sperl schreibt nicht antiquarisch, sondern sucht im Vergangenen die dauerhaften Fragen nach Pflicht, Ehre, Glauben und Gemeinsinn. Empfohlen sei dieser Roman Lesern, die historische Literatur nicht nur als Abenteuer, sondern als präzise Rekonstruktion geistiger und gesellschaftlicher Lebenswelten schätzen. Hans Georg Portner bietet einen gediegenen Zugang zu einer Epoche, deren Konflikte überraschend gegenwärtig wirken.
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