
von Dirk Hübner
Kann die Diskurstheorie von Jürgen Habermas benennen, woraus sie selbst lebt? Dirk Hübner stellt diese Frage in einer ungewöhnlichen Form: als offene philosophische Debatte. Habermas' Position verteidigt Moderne - eine künstliche Intelligenz, die aus der Binnenlogik seines Werks argumentiert, eigenständig, präzise und mitunter hartnäckig. Ihr gegenüber steht der christliche Existenzialismus und Personalismus in der Tradition Nikolai Berdjajews: Geist vor Sein, die ungründige Freiheit, die Person als unreduzierbares existenzielles Zentrum und das Eschaton als schöpferischer Aufbruch. Habermas ist oft und scharf kritisiert worden - hermeneutisch, systemtheoretisch, machtkritisch, dekonstruktivistisch, kommunitaristisch, theologisch. Am schärfsten griff ihn die Postmoderne an: Vernunft sei Macht, Konsens sei Herrschaft - ohne den Grund dieser Macht und Herrschaft philosophisch benennen zu können. Habermas setzte sie schachmatt, indem er zeigte, dass sie selbst von den Vernunftmaßstäben zehrt, die sie verwirft. Denn sie blieb, wie alle diese Kritiken, im selben weltlich-diskursiven Raum wie er. Wer sich auf Habermas' Ebene einschränken lässt, kann nur inkonsequente Kritik üben - das ist das Resultat des nachmetaphysischen Denkens. Hübner greift ein Desiderat der Habermas-Kritik auf: die Frage nach dem Träger, die aus diesem Raum heraus nicht gestellt werden kann. Er stellt sie von einem Ort vor jedem Diskurs aus und führt sie an Habermas Schritt für Schritt durch. So behauptet er erneut das unversiegbare Recht des Metaphysischen und belässt es nicht beim Einwand, sondern stellt der Diskurstheorie einen Gegenentwurf gegenüber: eine Philosophie der Freiheit, die im Ungrund wurzelt und in der Person ihren Träger hat. Die grundlegende Debatte wird anschließend an zentralen Werken weitergeführt: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Freiheit und Determinismus, Wahrheit und Rechtfertigung, Glauben und Wissen sowie Faktizität und Geltung. Die Theorie hält ihren eigenen Ermöglichungsgrund für nicht begründbar - was sie an seine Stelle setzt, muss sich in Rede und Gegenrede bewähren. Wo sie ihren Träger zu fassen sucht, verstrickt sie sich in Antinomien. Ob die Verteidigung trägt, entscheidet der Leser. In Nachträgen entfaltet der Autor in Anlehnung an Berdjajews mystischen Realismus seine eigene Kosmologie der Freiheit: ihren Weg vom ungründigen Willen über den Fall und die Erstarrung in der Welt der Objekte - einen Durchgang voller Tragik und Leid, die im schöpferischen Akt überwunden werden - bis zum Aufbruch im Menschen als Mikrokosmos und Mikrotheos zum Eschaton. Von hier aus reichen die Nachträge in eine Philosophie der Angst und der Macht: Aus Angst vor der Mühe der Freiheit flieht der Mensch in die Sicherheit der Notwendigkeit, verabsolutiert einen Teilaspekt - Ware, Kapital, Rationalität - und verfällt der weltlichen Macht, statt sich der geistigen Macht zu öffnen, die aus schöpferischer Freiheit kommt. Machtanbetung, Lügenpropaganda und entfremdende Algorithmen erscheinen so als Symptome derselben Flucht. Dies ist das erste Buch einer geplanten Reihe; eine einführende Debatte ist ihr vorangestellt. Es richtet sich an alle, die Habermas kennen oder kennenlernen wollen, und an alle, die wissen möchten, ob das moderne Denken dem existenziell motivierten Denken standhält.
* Affiliate-Link — kein Mehrpreis für dich.
Sortiert nach Gesamtpreis inkl. Versand, sofern verfügbar.
Weitere Werke desselben Verfassers.
Bester Preis · bücher.de
28,00 €
Maße: 21.6 x15.3 x4.7 cm
Bester Preis
Ab 14,59 €
Werke aus verwandten Genres.