
von George Sand
Indiana (1832), im Deutschen auch Die edle Wilde, George Sands erster unter männlichem Pseudonym veröffentlichter Roman, erzählt von der kreolischen Adligen Indiana, die in einer lieblosen Ehe mit Oberst Delmare gefangen ist und in Raymon de Ramière eine trügerische Verheißung von Freiheit erkennt. Zwischen Paris, Provinz und Bourbon/La Réunion verbindet Sand leidenschaftliche Intrige mit scharfer Analyse des Ehe- und Eigentumsrechts. Der romantische Ton, durchzogen von ironischer Gesellschaftsbeobachtung, macht den Roman zu einem frühen Dokument feministischer Literaturkritik. Als Amantine Aurore Lucile Dupin, später George Sand, schrieb die Autorin aus eigener Erfahrung sozialer und ehelicher Einschränkung. Ihre Trennung von Casimir Dudevant, der Eintritt in die Pariser Presse- und Salonkultur sowie die politischen Erschütterungen nach Juli 1830 schärften ihren Blick für Institutionen, die weibliche Selbstbestimmung legal und moralisch erstickten. Indiana ist daher weniger bloßes Bekenntnis als Versuch, privates Leiden als gesellschaftliches System sichtbar zu machen. Empfohlen sei dieser Roman Leserinnen und Lesern, die die Ursprünge moderner Geschlechterdebatten in der europäischen Erzählliteratur verstehen möchten. Wer Balzac, Staël oder die Brontës schätzt, findet hier eine zugleich empfindsame und analytische Prosa, deren Pathos nie bloß dekorativ ist. Indiana fordert zur Prüfung der Liebe auf, wo sie Besitz heißt, und der Freiheit, wo sie nur Männern gewährt wird.
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