
von William Makepeace, Thackeray, William Makepeace, Grieb, Christoph Friedrich u. a.
William Makepeace Thackerays "Jahrmarkt der Eitelkeit" ist ein großer Gesellschaftsroman des viktorianischen Zeitalters und zugleich eine beißende "Novelle ohne Helden". Vor dem Hintergrund der napoleonischen Kriege, der Londoner Salons, Internate und Spekulationsmilieus entfaltet Thackeray das Schicksal Becky Sharps und Amelia Sedleys als Kontraststudie weiblicher Selbstbehauptung, Naivität und sozialer Anpassung. Sein Stil verbindet ironische Erzählhaltung, moralische Skepsis und panoramatische Milieuschilderung; der Roman steht damit im Kontext des realistischen Fortsetzungsromans, unterläuft jedoch dessen konventionelle Heldenverehrung. Thackeray, 1811 in Kalkutta geboren und in England erzogen, kannte die Unsicherheiten von Herkunft, Vermögen und gesellschaftlicher Geltung aus eigener Erfahrung. Nach Verlusten, journalistischer Arbeit und intensiver Beobachtung der Londoner Öffentlichkeit entwickelte er einen Blick für die Mechanismen von Ehrgeiz, Täuschung und sozialem Theater. Diese biographische Nähe zu kolonialen, ökonomischen und literarischen Übergangsräumen prägt die Schärfe, mit der er Standesdünkel und moralische Selbsttäuschung bloßlegt. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die den klassischen Roman nicht als bloße Unterhaltung, sondern als analytisches Instrument gesellschaftlicher Erkenntnis schätzen. "Jahrmarkt der Eitelkeit" ist witzig, unbequem und erstaunlich modern: ein Meisterwerk über Aufstieg, Verstellung und die komische Tragik menschlicher Eitelkeit.
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