
von Sinclair Lewis
Mantrap, 1926 erschienen, verlegt Lewis' satirischen Blick aus den amerikanischen Kleinstädten in die kanadische Wildnis. Im Mittelpunkt steht der zivilisationsmüde New Yorker Anwalt Ralph Prescott, dessen Ausflug in ein abgelegenes Siedler- und Pelzhändlergebiet zur Begegnung mit Joe Easter und dessen lebenshungriger Frau Alverna führt. Aus Abenteuerroman, Gesellschaftssatire und psychologischem Kammerspiel formt Lewis eine ironische Untersuchung männlicher Fluchtphantasien, moderner Sexualmoral und des Mythos vom reinigenden Naturraum. Sinclair Lewis (1885-1951), der scharfsinnigste Chronist des amerikanischen Mittelstands seiner Generation, hatte mit Main Street, Babbitt und Arrowsmith bereits die Selbstzufriedenheit, Geschäftsideologie und moralische Enge der USA seziert. Seine eigene Reiselust, sein Misstrauen gegenüber Konventionen und sein Interesse an der Vermarktung von Identität prägen auch Mantrap. Zwischen urbaner Erschöpfung und frontier-Nostalgie prüft er, ob das Entkommen aus der Moderne mehr ist als eine weitere kulturelle Pose. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die einen ungewöhnlichen Lewis entdecken möchten: leichter im Ton als seine großen Gesellschaftspanoramen, doch nicht weniger präzise in der Diagnose. Mantrap bietet Spannung, Komik und intellektuelle Schärfe und zeigt, wie brüchig Rollenbilder werden, sobald Stadt, Ehe und Wildnis aufeinanderprallen.
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