
von Richard Voss
Richard Voß' "Michael Cibula" entfaltet die Geschichte einer markanten Einzelgestalt, deren Lebensweg weniger als bloße Handlung denn als psychologische und moralische Prüfung erscheint. Im Mittelpunkt steht ein Mensch, der sich gegen äußere Zwänge, gesellschaftliche Erwartungen und innere Widersprüche behaupten muss. Voß verbindet realistische Milieubeobachtung mit dramatisch zugespitzter Szenenführung; seine Prosa steht im literarischen Umfeld des späten 19. Jahrhunderts, zwischen Poetischem Realismus, naturalistischer Sozialschärfe und neoromantischer Schicksalsdeutung. Richard Voß, 1851 in Pommern geboren und 1918 in Berchtesgaden gestorben, gehörte zu den produktiven Erzählern und Dramatikern der wilhelminischen Epoche. Seine Erfahrungen als Kriegsteilnehmer, seine ausgedehnten Aufenthalte in Italien sowie seine Nähe zu Theater und bildungsbürgerlicher Kultur prägten sein Schreiben nachhaltig. Immer wieder interessierten ihn Gestalten am Rand gesicherter Ordnungen: Menschen, deren Charakter sich erst im Konflikt mit Herkunft, Leidenschaft, Pflicht und gesellschaftlicher Konvention offenbart. "Michael Cibula" empfiehlt sich Lesern, die an psychologisch fundierter Erzählkunst und an der Übergangszone zwischen klassischem Realismus und moderner Seelendarstellung interessiert sind. Das Buch bietet keine bloße Unterhaltung, sondern eine konzentrierte Studie über Charakter, Schicksal und Selbstbehauptung.
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