
von Caspar Edelhain
Der Zerfall des Osmanischen Reiches schuf keine leeren Räume, sondern Völker, die plötzlich lernen mussten, wer sie waren – ohne Sultan, ohne Kalifat, ohne das jahrhundertealte System, das sie geordnet hatte. Es geht nicht um die Frage, warum das Reich fiel, sondern um das, was danach kam. Nach 1918 entstanden aus den Trümmern Nationalstaaten, die sich eine Vergangenheit erschaffen mussten, die sie nie besessen hatten. Die Türkei formte sich unter Atatürk als westliche Nation und verdrängte das Osmanische als rückständig. Auf dem Balkan wurde die Erinnerung entweder romantisiert oder verteufelt, je nach politischem Bedarf. In Syrien, im Irak und in Jordanien überlebten osmanische Verwaltungsstrukturen, überlagert von französischen und britischen Kolonialinteressen. Die Menschen trugen das Erbe in Familiennamen, religiösen Riten und alltäglichen Ruinen. Gezeigt wird, wie die Erinnerung an ein Imperium zur stillen Grundlage nationaler Identitäten wurde, die sich selbst als dessen Gegenentwurf verstanden – eine Geschichte des unvollständigen Vergessens.
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Maße: x21.0 x29.7 cm
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