
von Julius Wolff, Elisabeth Thaler u. a.
Tannhäuser, 1845 in Dresden uraufgeführt, verbindet die mittelalterliche Sängerkrieg-Überlieferung mit der Legende vom Venusberg zu einem Musikdrama über Begehren, Schuld und Erlösung. Zwischen der sinnlichen Sphäre der Venus und der streng kodifizierten Welt der Wartburg entfaltet Wagner einen Konflikt, der romantische Mittelaltersehnsucht, christliche Bußtheologie und psychologische Zuspitzung vereint. Der Text zeigt bereits jene leitmotivische Dramaturgie und symbolische Verdichtung, die Wagners späteres Werk prägen sollten. Richard Wagner, 1813 in Leipzig geboren, war Komponist, Dichter, Theaterdenker und radikaler Erneuerer der Oper. Seine Erfahrungen als Kapellmeister, seine Auseinandersetzung mit deutscher Mythologie und seine revolutionären Kunstansprüche führten ihn zu Stoffen, in denen Individuum und Gesellschaft unversöhnlich aufeinandertreffen. Tannhäuser spiegelt zudem Wagners lebenslange Beschäftigung mit Kunstreligion, Erotik, Verzicht und der Möglichkeit ästhetischer Erlösung. Empfohlen sei dieses Werk allen Leserinnen und Lesern, die Oper nicht nur als Musik, sondern als dichterisches und ideengeschichtliches Gesamtkunstwerk verstehen möchten. Tannhäuser eröffnet einen präzisen Zugang zu Wagners Frühreife und zu zentralen Spannungen des 19. Jahrhunderts: Kunst und Moral, Körper und Geist, Außenseitertum und Gnade.
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