
von Henrik Ibsen
Henrik Ibsens spätes Drama "Wenn wir Toten erwachen" entfaltet als "dramatischer Epilog" eine kühle, symbolisch verdichtete Reflexion über Kunst, Schuld und versäumtes Leben. Im Zentrum steht der Bildhauer Arnold Rubek, der mit seiner Frau Maja in einem Kurort verweilt und dort Irene wiederbegegnet, seinem einstigen Modell und der seelischen Quelle seines Meisterwerks. In knappen, suggestiven Dialogen, alpinen Landschaftsbildern und einer Atmosphäre existenzieller Erstarrung verbindet Ibsen realistische Psychologie mit symbolistischer Entrückung und schließt damit sein dramatisches Werk ab. Ibsen, 1828 in Norwegen geboren, hatte das europäische Theater durch seine Gesellschaftsdramen grundlegend erneuert. Nach Werken wie "Nora" und "Gespenster" wandte er sich zunehmend inneren Konflikten, Lebenslügen und den Kosten künstlerischer Selbstverwirklichung zu. "Wenn wir Toten erwachen", 1899 erschienen, trägt die Spuren eines Autors, der auf Ruhm, Exil, Alter und die Verantwortung des Künstlers gegenüber den Menschen zurückblickt, die seine Kunst möglich machten. Dieses Stück empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Dramen nicht nur als Handlung, sondern als geistige Untersuchung verstehen. Es bietet keine einfache Moral, sondern eine konzentrierte Meditation über Liebe, Opfer und die Frage, ob Erkenntnis zu spät kommen kann.
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