
Ein Notar schreibt 1430 in Freiburg einen Namen auf. Das Glaubensgericht will wissen, wer einen verbotenen Prediger beherbergt hat. Die Antwort führt zu weiteren Menschen: zu Nachbarn, Verwandten und Gästen. Aus Begegnungen werden Hinweise, aus Hinweisen Verfahren.Sebastian Grundmacher beginnt «Inquisition» mit solchen Akten und folgt den Glaubensgerichten durch mehrere Jahrhunderte. Er beschreibt, wie mittelalterliche Verfahren gegen Häresie entstanden, weshalb die spanischen Tribunale das Leben getaufter Menschen jüdischer Herkunft untersuchten und wie Rom über Lehre und Bücher wachte. Die Wege der Gerichte reichen über den Atlantik bis nach Mexiko und Lima, im portugiesischen Herrschaftsbereich bis nach Goa.Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die ein Tribunal tatsächlich stellte: Wer zeigte jemanden an? Welche Aussage galt als Beweis? Was konnte ein Beschuldigter erwidern? Einzelne Lebensgeschichten machen sichtbar, was Haft, Folter, Enteignung und ein öffentlich bekannter Verdacht für die Betroffenen bedeuteten. Ein eigenes Kapitel prüft die Zahlen der Hinrichtungen und erklärt, weshalb die überlieferten Register keine einfache Gesamtrechnung zulassen.Die Inquisition war kein überall gleiches Gericht. Ihre Zuständigkeiten, Verfahren und politischen Träger veränderten sich. Gerade der Blick auf diese Unterschiede zeigt, wie eine Institution aus alltäglichen Beobachtungen belastende Akten machte – und warum diese Akten heute auch die Stimmen der Verfolgten bewahren.
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