
von John Galsworthy
Die Cherrell Chronik versammelt Galsworthys spätes Gesellschaftspanorama um die Familie Cherrell und führt die Tradition der Forsyte-Darstellungen in veränderter historischer Lage fort. Im Mittelpunkt stehen eine alte englische Oberschicht, ihre Ehen, Erbschaften, Rechtskonflikte und moralischen Selbsttäuschungen in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Galsworthys Stil ist nüchtern, psychologisch präzise und von feiner Ironie getragen; sein Realismus registriert Gesten, Räume und Konventionen als Zeichen einer Ordnung, die ihre Autorität verliert. John Galsworthy (1867-1933), Jurist aus wohlhabendem Milieu und Nobelpreisträger für Literatur, kannte jene Besitz- und Standeswelt, die er zugleich darstellte und kritisierte, aus nächster Nähe. Seine Ausbildung im Recht, seine humanitären Interessen und seine lebenslange Beschäftigung mit Ehe, Eigentum, sozialer Verantwortung und individueller Freiheit prägen auch diese Chronik. Die Cherrells erscheinen daher nicht als bloße Romanfiguren, sondern als Symptome eines historischen Übergangs. Empfohlen sei das Buch Lesern, die klassische englische Gesellschaftsromane schätzen und zugleich eine genaue Diagnose moderner Verunsicherung suchen. Die Chronik bietet keine sensationelle Handlung, sondern eine kluge, langsam wirkende Analyse von Klasse, Gefühl und Gewissen. Gerade ihre Zurückhaltung macht sie zu einer lohnenden Lektüre für alle, die literarische Beobachtungskunst und gesellschaftliche Tiefenschärfe verbinden möchten.
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